Das geistliche Wort

Liebe Gemeindemitglieder,

wenn Sie diese Zeilen lesen, werden die Meldungen der WNZ vom 13. Mai, an dem ich dies schreibe, betreffend die ­Belastungen der Coronakrise kaum überholt sein – außer vielleicht negativ: Die psychischen Herausforderungen sind nicht von Pappe. „Depressionen, ­Antriebslosigkeit, Vereinsamung und Ängste“, sagt Catharina Herbel im Blick auf die BesucherInnen, die sie normalerweise im Bistro Lahnblick empfängt.  – Darin finden sich viele wieder.

Die wirtschaftlichen Existenzsorgen werden noch lange für schlaflose Nächte sorgen: „Für Gäste und Wirte wird es eng,“ heißt es da. Und: „Mode wird ­deutlich günstiger. Hohe Warenberge zwingen zu Rabatten – doch die kann sich der Handel betriebswirtschaftlich derzeit gar nicht leisten.“

Es ist richtig, dass die staatliche Gemeinschaft, in der wir leben, Katastrophen ganzer Wirtschaftszweige nach Kräften abmildert, möglichst auffängt – mit den Milliarden, die nun fast allenthalben zur Verfügung gestellt werden. Schäuble muss notgedrungen zusehen, wie sein Lebenswerk als Finanzminister, die „Schwarze Null“, pulverisiert wird. Bleibt die Frage, ob wir die 1,5 Billionen, die Deutschland Corona nach Hochrechnungen kosten wird, jemals werden abbezahlen können.

Doch da ist noch eine Zahl, die ist nun schon einen Monat alt; sie geht mir dennoch nicht aus dem Kopf: 1,4 Milliarden. Auf diese „hofft“ der Internationale ­Währungsfonds (IWF) für einen Pandemie-Fonds für die 25 ärmsten Länder der Erde, die „erste Schuldenerleichterungen erhalten“, damit sie „mehr Mittel für ­medizinische Versorgung und andere Hilfen“ bereitstellen können (WNZ vom 15.4.).

1,4 Milliarden – weniger als ein ­Tausendstel der 1,5 Billionen, die Corona allein Deutschland kosten wird! Darauf „hofft“ der IWF. Die reichen Länder ­bewerfen sich mit Milliarden – die ­„armen Lazarusse“ dieser Welt kriegen Brotrinden (Lukas 16,21) und schauen ansonsten mit offenem Mund zu.

Ich fürchte, dass wenn wir, die Staatengemeinschaft der Reichen, hier nicht ­radikal umdenkt, uns das mal um die ­Ohren fliegt – in Form von Migrations­bewegungen, im Vergleich zu denen die heutigen wie ein paar Busladungen ­neugieriger Touristen sind.

Gott sei uns gnädig! Und schenke uns ein Herz, bereit zum Umdenken und Umhandeln!

Ihr Pfarrer Aurel Everling