Das geistliche Wort

Ein Fest in dunkler Zeit

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein,
Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Jesaja 11,6

Es war Krieg, als der Prophet Jesaja das Raunen Gottes vernahm. Was er dann weitersagen sollte, klang wie Musik aus einer untergegangenen Welt. Einer Welt, an die sich angesichts der Herausforderungen und Krisen der Gegenwart kaum jemand erinnerte.

Es war einmal … So beginnen viele Märchenerzählungen. Geschichten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen, bei denen Erwachsene dagegen innerlich abwinken: Ist halt ein Märchen. Nett erzählt – aber eben nicht wahr.

Wenn wir in diesem Jahr auf das Weihnachtsfest zugehen, spüre ich diese Spannung zwischen einer friedvollen und hoffnungsgesättigten Bilderwelt und der beängstigenden Wirklichkeit der Nachrichten und Preisschilder deutlich. Und es nagt schmerzlich an meinem Glauben – dass so viel Unheil geschieht in unserer Welt, die uns immer näher rückt. Wie können da alte Bilder und Worte ihre Kraft entwickeln, Verängstige trösten und Verzagten Mut zusprechen?

Machen können wir nichts – das ist leider wahr, so gerne ich es anders hätte. Beten? Ja, das tut gut. Gott meine Last hinlegen. Vor ihm klagen und vielleicht die ein oder andere Kerze anzünden. Als kleines Zeichen, dass da noch Hoffnung ist. Und vertrauen – besser: Vertrauen von Gott erbitten. Advent, das wird mir in diesem Jahr überdeutlich – erinnert daran: wir stehen mit leeren Händen da.

„Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit´ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.“ So hat es Martin Luther 1529 gedichtet – das ist zwar kein Adventslied, aber doch eine Ermutigung in dunkler Zeit: Sich dann, wenn wir nicht weiterwissen, voller Vertrauen an Gott zu wenden.

„Fragst Du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ.“ An die Geburt des Retters und Hoffnungsbringers erinnert Weihnachten. In dunkler Zeit gehen wir auf ein Fest zu – trotz allem. Weihnachten in einem Gottesdienst feiern, das heißt: seine Hoffnung neu an Jesus festmachen. Er leuchtet heller, wenn die Welt dunkler geworden ist.

Bleiben Sie zuversichtlich – in Jesus Christus.
Ihr Pfarrer Björn Heymer