Das geistliche Wort

Hat Gott uns Corona geschickt?

Liebe Leserinnen und Leser, nach dem Gottesdienst stand ein vielleicht fünfjähriger Junge an der Hand seines Vaters vor mir. „Mein Sohn hat eine Frage.“ Und die lautete: „Hat Gott uns Corona geschickt?“

Er ist sicher nicht der Einzige, der sich diese Frage stellt. In Krisen fragen Menschen nach den Gründen für ihre Not. Und wenn die Gründe rätselhaft erscheinen, dann spitzt sich die Frage zu: „Ist Gott verantwortlich? Bekennen wir ihn nicht als Herrn über Leben und Tod? Entweder muss ich glauben, dass Gott mir eine Last auflegt – oder Gott ist nicht allmächtig.“ „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch…“ so steht es in Psalm 68 – in der Lutherbibel. Dieser Satz ging mir nach einem Trauergespräch durch den Kopf. Beides schien im Leben des Verstorbenen zu erkennen gewesen zu sein. Ich habe dann nachgeschaut – und überrascht festgestellt: diese Übersetzung führt in die Irre. So ist es im Psalm nicht gemeint gewesen. Gott legt Menschen nicht eine Last auf. „Gott trägt uns“ – das steht im Urtext. Es ist tröstlich für Menschen, die schwere Lasten zu tragen. Es ist eben nicht Gott, der Menschen Hartes zumutet. Sondern? Bei dem Jungen habe ich versucht, seine Frage so zu beantworten: Corona ist eine schlimme Krankheit, wie es viele schlimme Krankheiten gibt. Menschen werden krank und sterben, weil die Welt nicht gut ist, nicht so, wie Gott sie gemacht hat. Unsere Hoffnung ist: Am Ende der Zeit wird Gott die Welt wieder heile und gut machen. Das hat er versprochen. Und bis dahin – sollen wir tun, was immer wir können, um dem Guten Raum zu verschaffen, wo immer das möglich ist. Gerade weil wir die Erfahrung machen: Gott trägt uns – auch in schweren Zeiten.

Corona ist nicht eine besondere Last, die Gott uns auferlegt hat. Es ist eine schlimme Krankheit, das ja. Nicht weniger, aber sicher auch nicht mehr. Gott hat keinen Gefallen daran, Menschen zu belasten – weder durch Krankheiten noch durch andere Nöte. Und wenn jemand doch durch schwere Zeiten hindurchmuss? Und mit der Frage ringt, warum das geschehen konnte? Oder weshalb Gott das hat zulassen können?

Dann seien ihm die Psalmen ans Herz gelegt: Gepriesen sei der Herr Tag für Tag, der uns trägt, der Gott, der unsere Hilfe ist. Psalm 68,20 (Zürcher Bibel)

Pfarrer Björn Heymer