Das geistliche Wort

Sommerzeit

Liebe Gemeindeglieder!
Sommerzeit. Lang ist es hell. Sonne, Wärme, Wind tun gut. Gern werden die eigenen vier Wände verlassen. Zeit, neue Erfahrungen zu machen.

Die christliche Gemeinde hat den Sommer mit seinen Lebensmöglichkeiten gern mit der Auferstehung Jesu in Verbindung gebracht. Aus ­diesem Grund können wir sogar im November Loblieder auf den Sommer singen: „Herzlich tut mich erfreuen die liebe Sommerzeit, wenn Gott wird schön erneuen alles zur Ewigkeit. Den Himmel und die Erde wird Gott neu schaffen gar, all Kreatur soll werden ganz herrlich, schön und klar.“ (eg 148,1) Jesus hat mit der Auferstehung von den Toten Hoffnung darauf in die Welt gebracht, dass „all Kreatur“ bei Gott eine Zukunft hat. Darum gibt die christliche Gemeinde niemanden und nichts auf.

„Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ [= Auferstehung] fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.“ (eg 110,1) Sommer, Zeit für Hoffnung und neue Erfahrungen. Zeit, Gott ins Spiel zu bringen und damit der Hoffnungslosigkeit zu widersprechen. Hoffnungslosigkeit ist deshalb so verlockend, weil sie von uns nichts verlangt. Keinen Protest und keinen Aufschrei. Sie will einfach nur, dass man müde ist und sich in sie hineinfallen lässt. „So ist es nun einmal“, könnte man sagen, „so ist eben die Natur der Dinge und so läuft diese Welt, darum hält man besser die Hoffnung auf kleiner Flamme und duckt sich, dass es einen nicht so arg trifft“. Dagegen lässt Paul Gerhardt uns singen: „Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel ­Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.“ (eg 503,13). Wer Gott ins Spiel bringt, von ihm spricht, seinen Namen nennt in den kleinen und großen Nöten des eigenen Lebens und der Welt, der rechnet mit dem „Sommer deiner Gnad“, rechnet damit, dass Gott keines seiner Geschöpfe aus der Hand gibt. Die „Glaubensfrüchte“, die dabei entstehen, ­schmecken süß; nicht nur mir selbst, sondern auch anderen, die ich mit Hoffnung anstecke.

Hoffnung ist heutzutage rar geworden, denn wir merken, dass wir alleine die Welt nicht retten können. Die Auferstehung spricht davon, dass wir´s auch nicht müssen. Wenn wir Gott ins Spiel bringen, werden wir befreit von unserer Allmacht. Befreit, um wie ein Kind unter der Sonne des Sommers zu spielen, zu lachen und zu hoffen auf den „der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei“ (Römer 4,17).

Pfarrer Christian Silbernagel