Das geistliche Wort

Liebe Gemeindemitglieder,

Seit Monaten scheint es kaum ein anderes Thema zu geben als Corona und die Folgen. Die Nachrichten wurden davon dominiert und wir haben unser Verhalten danach ausgerichtet, selbst auf die Ostergottesdienste verzichtet, weil wir die Schwächsten schützen wollten. Corona gestern, Corona heute und vermutlich auch noch eine ganze Zeitlang in der Zukunft. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf sind wir für eine Woche in den Urlaub gefahren. Auf vertrautes Terrain, zum 16. Mal auf den Feichtlhof in Ramsau am Dachstein. Und diese Woche hat unseren Blick weg von der Pandemie gelenkt, zurück auf den, der gestern, heute und in Ewigkeit der Herr der Geschichte und unseres Lebens ist und bleibt: Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Unser Gastgeber Gottfried Kraml hatte vor Jahren eine Lärche gefällt, deren Jahresringe zurückreichen bis in die Zeit, in der das evangelische Bekenntnis in Österreich verboten war und Menschen wegen ihres Glaubens vertrieben wurden. Wer blieb, musste sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen oder wurde bestraft.

200 Jahre lang schmuggelten die Ramsauer Bauern Bibeln über den Dachstein in die Familien und trafen sich heimlich in den Häusern und Scheunen zu evangelischen Gottesdiensten und Bibelstunden. „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ aus Hebräer 13,8 war einer ihrer Leitverse. Egal, was im Leben der Einzelnen oder der Gemeinde geschah, die Menschen vertrauten auf den, der in jeder Lebenssituation für sie Herr der Lage blieb: Jesus Christus.

Als 1781 der damalige Kaiser Joseph II. mit seinem Toleranzpatent das evangelische Bekenntnis erlaubte, bekannten sich 127 von 130 Familien in der Ramsau dazu. Sie kannten sich aus in der Bibel wie in ihren Bergen. Kein anderer als Jesus Christus sollte ihr Herr sein, auch kein Kaiser. Und kein Virus. Deshalb hat Gottfried aus dem gefällten Stamm der Lärche ein Gipfelkreuz gefertigt und von einem Fachmann in das Holz Hebräer 13,8 und die Lutherrose eingravieren lassen: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Dieses zentnerschwere Kreuz haben er und etliche Nachbarn und Freunde im Juli als Gipfelkreuz auf dem Sattelberg aufgestellt. Über den Gipfel führt ein sehr beliebter Wanderweg. Wer immer vorbei kommt, soll nicht nur den Ausblick auf die grandiose Schöpfung, sondern auch das klare Bekenntnis zu dem, der alles in der Hand hat und auf ewig behält, sehen. Weil sie Jesus Christus vertrauen, befehlen sie die Neugeborenen ihm an, die Kinder auf dem Schulweg, die Wanderer in den Bergen, die Kranken und die Trauernden, die, die Angst haben vor Corona und die, die darauf warten, dem Herrn ihres Lebens bald zu begegnen. Gestern, heute und in Zukunft. Für uns Christen sollte es das Thema Nummer eins sein und bleiben, sich zu Jesus Christus zu bekennen und ihm zu vertrauen.

Ihr Jörg Süß