Das geistliche Wort

Weiter Raum

Liebe Gemeindemitglieder,
der Beter des 31. Psalms hat erlebt, was es heißt, eingeengt zu leben. Eingezwängt und gefangen, ohne Platz und Bewegungsfreiheit. In der Pandemie mit ihren Lockdowns haben wir das auch erfahren. Der Beter hat dann aber entdeckt, dass Gott den Weg aus der Enge für ihn öffnet. Er hatte gebetet und gemerkt, dass Gott jede Enge sprengen kann. Vorher hatte er Angst, war bedrängt. Doch Gott hatte seine Enge geweitet, ihm seine Angst genommen, so glaubte er.

Nun bekannte er: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31,9) Nach den Lockerungen seit dem Frühjahr war ein gemeinsames Aufatmen unter uns allen spürbar, bei aller gebotenen Vorsicht. Wir haben gespürt, wie gut es tut, wenn wir uns wieder freier entfalten dürfen.

Aus der Bibel habe ich gelernt, dass Gott uns nicht einzwängt. Er will, dass wir frei und unbeschwert leben können. Alles, was niederdrückt, und bindet und einengt, will er uns nehmen, sogar das, was wir als Schuld empfinden. Jesus Christus hat dafür gelebt und ist dafür gestorben. Er legt uns keine neuen Zwänge auf. In den Evangelien wird erzählt, wie er den Menschen neue Perspektiven schenkt, wie er sie buchstäblich auf weiten Raum stellt. Auch mit uns kann er das machen.

Er schafft weiten Raum auch für unseren Glauben, der im Kontakt zu Gott nie engstirnig und starr werden kann. In solch weitem Raum sind große Schritte möglich – und kleine, Glaubenssprünge und vorsichtig Trippelschrittchen.

Das ist das Großartige an der Glaubensfreiheit, dass im weiten Raum auch keine Grenzen im Kleinen gesetzt sind. Auch dort stehen alle Möglichkeiten offen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie den weiten Raum, auf den Gott Sie stellt, erkennen und dankbar annehmen können.

Ihr Pfarrer Jörg Süß

Photo oben: adobe