Das geistliche Wort

Liebe Gemeindemitglieder,

viele Feste der Kirche liegen in der Zeit, die dieser Gemeindebrief umspannt: Passionszeit, Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Hinzu kommen die Vorstellung der Konfirmanden und die Konfirmation. All diese Feste führen ins Zentrum des christlichen Glaubens. Sie sind verbunden mit der Frage nach der Auferstehung Jesu. Wie die Kirche, wie jemand, diese Frage beantwortet, davon hängt ab, was unser Trost und unser Halt ist, im Leben und im Sterben. Und, ob es ein begründeter Trost ist oder doch nur eine ohnmächtige Vertröstung.

Paulus bringt es in seinem Brief an die Korinther (1. Korinther 15) auf den Punkt: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ Das Neue Testament und mit ihm der gesamte christliche Glaube verdanken sich dem, was an Ostern geschah: die Auferstehung Jesu und dass er seinen Jüngern erschienen ist. Ohne Ostern kein Neues Testament und kein christlicher Glaube. Durch die Selbstoffenbarung des Auferstandenen verstehen die Jünger, wer Jesus ist und was am Kreuz „für sie“, „für uns“ geschehen ist: „ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Hatte Jesus gesagt (Johannes 14,19). Und das gilt deshalb, weil die Jünger bezeugen: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ (Lukas 24,34).

Wenn die Jünger Jesus „den Herrn“ nennen, dann benutzen sie für ihn den Namen Gottes. Sie sagen damit: nicht ein Mensch „wie Du und ich“ ist auferstanden, sondern der, der seinem Wesen und Ursprung nach auf Gottes Seite gehört. Der hat sich freiwillig auf die Seite des Sünders gestellt, auf die Seite dessen, der dem Tod verfallen ist. Der Kreuzestod ist von Ostern her gesehen Heilstod für die, die vor Gott verloren, die den Mächten der Sünde und des Todes unterworfen sind. Jesus ist nicht „für sich“ und „um seinetwillen“ am Kreuz gestorben, sondern „für uns“ und „um unsretwillen“ – das heißt: „wegen unserer Sünden“ und „zur Aufhebung und Vernichtung unserer Sünden“.

Das wird freilich erst in der Auferstehung am Ostermorgen klar. Wäre Jesus nicht auferstanden, dann wäre er auch nicht „für uns“ gestorben. Doch mit dem Ostermorgen ist die Welt „neu“ und eine andere geworden, weil Gott in der Auferstehung seines Sohnes ein für allemal entschieden hat, dass nicht der Tod und die Sünde das letzte Wort über uns Menschen, über unsere Lebensgeschichten und die Weltgeschichte haben, sondern der, der auch das erste Wort über uns und alle Welt gesprochen hat: unser Schöpfer und Erlöser. Sie sind eingeladen in unseren Gottesdiensten davon zu hören.

Ihr Pfarrer Christian Silbernagel