Das geistliche Wort

Inselerfahrungen

Der Kontrast hätte kaum größer sein können. Vom hektischen Frankfurter Flughafen über das Hafenstädtchen Oban zur Klosterinsel Iona, einem Ort, der Ruhe, Frieden und Entschleunigung bringt. Nach sehr kurzer Zeit überträgt sich die besondere Atmosphäre dieses Ortes auf alle, die dorthin kommen, um zu sich, zueinander und zu Gott zu finden. Seit vor über 1450 Jahren dort ein erstes Kloster errichtet wurde, wird dort gebetet, gesungen und Gott gelobt. Das ist zu spüren und prägt die Menschen aus allen Teilen der Welt, die dorthin kommen und mit erleben, dass es Ihnen gut tut und sie verändert, wenn sie morgens und abends die Gottesdienste mit feiern.

Die Iona Community ist eine ökumenische Gemeinschaft, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt. Die Mitglieder leben dabei nicht in einer Gemeinschaft auf der Insel hinter Klostermauern, sondern dort, wo sie ansässig sind, setzen sie sich für die Anliegen der Gemeinschaft ein. Ein Team lebt aber auch auf der Insel und gestaltet dort das geistliche Leben. Sechs "Ls" beschreiben, was der Gemeinschaft wichtig ist: leben, lieben, lachen, loben, lernen, lassen. Das Leben mit anderen teilen. Sich, andere und Gott lieb zu gewinnen und zu behalten. Glücklich sein und lauthals lachen können. Gott zu loben für alles, was er tut und verheißt. Lernen, was Gott Gutes bringt und ermöglicht. Lassen, was belastetet und beschwert.

"Take, oh take me as I am" - " Nimm mich so, wie ich bin" wird in den Gottesdiensten nicht nur gesungen, sondern im Alltag gelebt. Ein junger Mann mit Down-Syndrom gehört zum Team. Freudestrahlend begrüßt er alle und läutet per Hand konzentriert und inbrünstig die Glocke vor den Gottesdiensten. Eine kräftige, Lebenslust verbreitende Frau mittleren Alters spiel herzergreifend Klavier und begleitet mit enormem Einfühlungsvermögen die Lieder. Ein homosexueller Schweizer heißt alle herzlich willkommen und meint das auch so. Ein protestantisch-steifer Pfarrer der Church of Scotland wirkt im Verlauf der Abendmahlsliturgie immer befreiter und es ist ihm abzuspüren, dass er durch die Tischgemeinschaft berührt wird. Und wir als Gruppe aus Wetzlar gehören vom Anfang bis zum Ende unserer Woche zu dieser Gemeinschaft, die niemanden in Schubladen einordnet und jeden stärken möchte für den Alltag, für das Leben, das jenseits der Insel so anders ist. Iona mit der Fähre zu verlassen ist wie das Paradies verlassen müssen, so hat ein Mann vor ein paar Wochen geschrieben. Das haben wir ähnlich empfunden, nur weniger pathetisch beschrieben. Die Zeit dort wirkt nach. „Take, oh take me as I am - Nimm mich so, wie ich bin“. Gott macht es genau so. Und das gilt auch auf dem Festland, auch im Alltag.

Herzliche Urlaubsgrüße

Ihr Jörg Süß, Pfarrer

 

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