200 Jahre Betreuung, Förderung und Bildung für Vorschulkinder in Wetzlar

Vor 200 Jahren begann man in Wetzlar mit der Betreuung und Bildung von Vorschulkindern in einer eigenständigen Einrichtung. Im April 1809 wurde vom Armeninstitut der Stadt Wetzlar eine „Anstalt zur Versorgung kleiner Kinder während der auswärtigen Arbeit der Eltern“ gegründet.
Das Armeninstitut war auf Initiative von Karl Theodor von Dalberg entstanden. Er hatte die „Grafschaft Wetzlar“ 1803 als Staatsbesitz bekommen und reorganisierte in der bis dahin Freien Reichsstadt die Verwaltung neu.

Die Kinderversorgungsanstalt befand sich 1809 am Fischmarkt. Die Leiterin war Witwe Lutz. Sie bekam vom Armeninstitut die nötigen „Gerätschaften“ und begann mit ihrer Arbeit. Weitere Frauen halfen. Die Einrichtung war für Kinder aus Tagelöhnerfamilien. Wie lange die Kinderversorgungsanstalt am Fischmarkt bestand, ist unklar. Diese Einrichtung war durch das Armeninstitut und durch die Finanzierung eng mit der Evangelischen Kirchengemeinde verbunden.

Die Idee für solche Vorschuleinrichtungen war aus Frankreich gekommen, Pfarrer Johann Friedrich Oberlin hatte im Elsass 1769 damit begonnen. Die Kinderversorgungsanstalt in Wetzlar gilt als eine der ersten Vorschuleinrichtungen in Deutschland.

1842 und 1843 wurden dann zwei Kleinkinderschulen durch den Frauenverein in Wetzlar gegründet. Mittlerweile gab es viele Kleinkinderschulen in Frankreich, England, Schottland und in Deutschland. Es gab auch bereits zahlreiche Schriften, die sich mit der Theorie und der Praxis der Kleinkinderschularbeit beschäftigten. Kleinkinderschulen sollten es den Müttern ermöglichen, einer Arbeit nachzugehen, darüberhinaus diente sie der Bildung der Kinder. Durch das Spielen, das Erzählen, das Erklären, das Singen und Vorlesen wurden die Kinder unterrichtet. Ein wichtiger Aspekt war die religiöse Bildung der Kinder.

Am 1. Juli 1842 wurde die erste Kleinkinderschule des Frauenvereins im Deutschordenshof eröffnet und am 1. September 1843 die zweite Kleinkinderschule in der Marktstube des Hospitals. Die Kleinkinderschule im Hospital bestand bis 1944, die im Deutschordenshof wurde am 1. August 1849 geschlossen. Die Kinder waren vormittags und nachmittags in der Kleinkinderschule. Es wurde gesungen, vorgelesen, gebetet, gehört und unterrichtet. Eine wichtige Rolle im Jahreslauf der Kleinkinderschule spielten die jährlichen Weihnachtsfeiern. Außerdem gab es „Prüfungen“, bei denen die Kinder das Gelernte aufsagten und vorführten. In den Kleinkinderschulen war je eine Leiterin und eine Gehilfin. Ab 1876 arbeiteten Schwestern des Diakonissen-Mutterhauses Nonnenweier als Kinderpflegerinnen in dieser Einrichtung. Zwischen dem Frauenverein und der Evangelischen Kirchengemeinde gab es zahlreiche persönliche und finanzielle Kontakte. Die Hospitalkirche und das Evangelische Bürgerhospital mit Pfründnerheim und Kleinkinderschule waren ein Gebäudekomplex.

In der Oberstadt fehlte eine Kleinkinderschule. Die Stadt Wetzlar eröffnete 1872 eine Kleinkinderschule im Hofmann`schen Haus in der Kleinen Pariser Gasse. Hier arbeiteten seit 1876 Kleinkinderlehrerinnen aus Kaiserswerth. Im Krieg wechselte diese Einrichtung mehrmals den Ort. Das Hospital wurde 1944 durch eine Bombe zerstört. Am Ende des Krieges gab es keine Kleinkinderschularbeit mehr in Wetzlar.

Ab 1946 übernahm die Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar die Trägerschaft für sechs Kindergärten.Der Kindergarten in Büblingshausen wurde 1946 als evangelischer Kindergarten und als Nachfolger des Büblingshäuser Kindergartens der Nazionalsozialistischen Volkswohlfahrt eröffnet.Die Arbeit im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar, dem „Römischen Kaiser“, der später zum Evangelischen Dom-Kindergarten wurde, begann 1947.
Der evangelische Kindergarten in der Silhöfer Aue startete 1951 und der Kindergarten Im Johanneshof 1952. 1963 Wurde der Kindergarten in der Neuen Wohnstadt eröffnet. Der Buderus-Kindergarten in der Bredow-Siedlung wurde 1964 von der Evangelischen Kirchengemeinde übernommen.

Text: Frank Rudolph

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